Facebook, Zuckerberg, Untersuchungen und Politik

Groß waren die Erwartungen zur Befragung von Zuckerberg vor Kongress und Senat. Erstaunlich zahm gestaltete sich die Befragung angesichts eines ausgewachsenen Skandals.

Locker für Zuckerberg

Zuckerberg wurde nicht ansatzweise unter Druck gebracht. Dafür wussten die Abgeordneten und Senatoren einfach viel zu wenig zur Funktionsweise von Facebook sowie seiner Datengier. Entsprechend harmlos waren viele Fragen, auf die Zuckerberg offenbar exzellent trainiert reagierte. Klar, es gab ein Schuldeingeständnis. Ich schätze jedoch, dass sich Zuckerberg innerlich kaputt gelacht hat, wie leicht er vom Haken kam. An sich eine Dreistigkeit hoch drei, war Zuckerbergs Vorschlag, er könne ja selbst Vorschläge einreichen. Hätten die Politiker Ahnung gehabt, wäre an dieser Stelle ein knackiges Statement fällig gewesen: „Danke, aber wir werden Ihnen sagen, was in Sachen Verbraucherschutz und Datenschutz zu tun ist!“.

Datenschutz und Facebook passt nicht

Knackpunkte sind bei Facebook gleich eine Menge Aspekte. Wer jemand anderen eine vermeintlich private Nachricht sendet, sollte davon ausgehen können, dass diese auch privat ist. Denkste. Facebook hat jetzt zugegeben, dass es im System die Nachrichten mitliest, siehe Bloomberg. Aber wer sagt denn, dass Facebook hier nicht nur mal eben böse Inhalte entfernt oder eine Werbung auf Stichwort ausgibt? Wenn eh schon alles mitgelesen wird, kann man durchaus weiter gehen. Benutzerprofile, private Daten, intime Unterhaltungen – alles könnte gebraucht und auch missbraucht werden. Reguliert ist hier gar nichts, der Konzern kann nach Gutdünken agieren. Ein klares Versäumnis der Politik.

Datengier

Um den Gebrauch von Facebook Apps zu erzwingen, wurde die Funktion zur Übermittlung der gar nicht mehr so privaten Nachrichten auf der normalen Weboberfläche von Smartphones gesperrt. Warum? Technisch gibt es dafür meines Erachtens keinen besonderen Grund. Es sei denn, man möchte noch mehr Daten abgraben. Und genau das tun sowohl die Facebook App wie der Messenger. Sprich, wenn man aktuell bei privaten Nachrichten bleiben möchte, muss man die Facebook Programme auf seinem Telefon herumschnüffeln lassen. Anruflisten, Anrufdauer, Gesprächspartner und deren Telefonnummern bis hin zu Dateien – alles wird erst einmal mitgehört. Apropos Mithören. Facebook ist so dreist, dass es seine Programme auch das Mikrofon des Handys einbinden lässt. Davon hätten die Stasi und George Orwell nur geträumt. Protest der Benutzer oder Aufschrei der Politik? Fehlanzeige. Ich verzichte bewusst auf alle Facebook Apps beim Smartphone……. mit verdammt guten Gründen.

Woran Senat und Repräsentantenhaus nicht mal kratzten

Kommen wir zu einer ganz anderen Sache. Cambridge Analytica hat mal eben 87 Mio Datensätze abgegriffen. Mit einer App anscheinend? Facebook sagt, das sei illegal gewesen. Aber Moment mal, wer hat denn überhaupt die Möglichkeit zu Datenabgriff bereit gestellt? Richtig, das war Facebook. Und es geht noch weiter. Facebook hat jetzt hoch und heilig angekündigt, in längerer Zeit die Daten von Benutzern besser zu schützen. Ha, ha, ha.
Zunächst bietet Facebook selbst eine Schnittstelle an, mit der man pro Stunde bislang 5.000 Abfragen und jetzt nach dem Skandal 200 Abfragen fahren kann. Also ist Facebook sehr genau in der Lage, zu sehen, wer da was abfragt. Wenn man denn will. Auch hier erscheint mir Zuckerbergs Schuldeingeständnis windelweich.

Insgesamt war die Befragung für mich ein schlechter Witz. Techniklaien trafen auf einen raffinierten Internetunternehmer.

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