Bitcoin als Zahlungsmittel für Shops

Bitcoin ist als Zahlungsmittel mittlerweile bei einigen Shops akzeptiert. Klar, ist gerade in. Allerdings schwankt der Kurs heftig, die Zocker und Abzocker tummeln sich im Markt. Eine kritische Betrachtung.

Der Hype und die Krisen

Bitcoins haben einen großen Aufschwung aber auch ganz böse Kursstürze hingelegt. Auch waren einige Bitcoin-Börsen abgestürzt oder durch Hackerangriffe betroffen. Entsprechend schlecht ist die Umrechnung zu kalkulieren. Das geht schon mal binnen weniger Sekunden 5 Prozent oder 10 Prozent nach oben oder unten. Wenns nach oben geht, prima für den Onlineshop. Wenns nach unten geht, wird es ganz böse. Gerade im Onlinehandel arbeiten viele Shops mit recht wenig Marge. Fällt der Bitcoin an einem Tag 20 Prozent (alles schon passiert), hängt man gegebenenfalls böse in den Seilen.

Unsichere Umrechnung

Noch schlimmer, wenn man den Bitcoin teilweise gar nicht mehr handeln kann, weil die Kryptobörse lahmgelegt ist. Auch schon passiert, beispielsweise bei Coinbase wurde der Handel teilweise ausgesetzt, eine andere Kryptobörse ist pleite, dazu wird wegen Insiderhandel ermittelt. Wenn in dieser Zeit Verkäufe statt finden, weiß der Händler überhaupt nicht, was er tatsächlich für seine Waren bekommt. Der Vertrag ist jedenfalls rechtsgültig und selbst bei einer Rückabwicklung weiß keiner, wie der Käufer dann reagiert. Das kann bis zu sehr schlechten Bewertungen reichen – was wiederum schlecht fürs Renommee und den Umsatz ist. Genau so unkalkulierbar ist das eigene Bitcoin-Konto. Da denkt man, man hätte einen satten Gewinn gemacht und binnen Minuten kann der weg sein, der Shopbetreiber trägt das volle Kursrisiko. Also heißt es, möglichst schnell umtauschen. Und das wiederum bringt dicke Gebühren mit sich.

Theoretisch müsste man die Bitcoin-Umrechnung in Echtzeit im Shop abbilden, über eine Schnittstelle. Das wiederum ist auch nicht günstig. Selbst im Vergleich zum (für Händler) recht teuren PayPal, können Gebühren und die Kosten für die Integration der Bitcoin-Module ziemlich eklig werden. Und das setzt wiederum einen zuverlässigen Betrieb der Kryptobörsen voraus. Bislang sind diese alles andere als zuverlässig. Zuverlässige Echtzeit-Umrechnungen gibts für Kryptowährungen derzeit meiner Meinung nicht. Dem privaten Zocker kann das ziemlich egal sein. Ein Onlinehändler sollte schlauer sein.

Blase Bitcoin?

Zurzeit wird versucht, jedem „Investor“ Bitcoins, Ethereums, Moneros und zig anderes Zeug anzudrehen. Alleine bei mir riefen drei Callcenter an, der Spamordner bei Emails wird geradezu vollgemüllt. In Adwords werden Anzeigen geschaltet, wie: „Kaufen Sie für 4.000 EUR Bitcoins und wir legen Bitcoins im Wert von 1.000 EUR obendrauf“. Zocker und Abzocker beherrschen den Markt. Speziell der Bitcoin wird zusätzlich künstlich gepusht durch den Technologienimbus (hach, wunderbares Prinzip, böse Banken, wir sind das Volk), massive Geldwäsche, Kapitalflucht aus Krisenländern, Zocker und Medienhype. Nicht unbedingt eine vertrauenserweckende Grundlage – Währungen leben aber von Vertrauen. Gerade in sozialen Netzen wimmelt es von Missionaren für das Kryptozeug. Nur weiß keiner, wie ernst die missionieren wollen. Kann genau so gut sein, dass sie die Kryptowährungen in den Himmel loben, um dann rechtzeitig mit sattem Gewinn auszusteigen. Der alte Spruch „Gier frisst Hirn“ dürfte derweil für so manchen Investor zutreffen, es riecht förmlich nach einer Blase. Zwei Beispiele gefällig?

Bitcoin Werbung für Investoren

Spam Mail für Bitcoins

 

Die Bitcoin Befürworter verweisen gerne darauf, dass jetzt auch normale Banken Geschäfte um den Bitcoin herum anbieten, etwa Optionsscheine. Logisch, was denn sonst? Gerade die großen Kurssprünge erlauben den Banken ein bequemes Abräumen. Die brauchen nämlich nur ihre Hochleistungsrechner wie in den besten Zeiten der US-Immobilienblase anwerfen und verdienen munter an den hoffnungsvoll hoffnungslosen Spekulanten. Das hat nichts mit einer vermeintlichen Seriosität der Cyberwährungen zu tun. Das ist vielmehr ein ideales Spielfeld, was sie für sich entdeckt haben. Otto Kleinanleger kann derweil gar nicht mit dem Handelstempo der großen Jungs mithalten und wird bei jeder Kursschwankung, egal ob nach oben oder unten, sauber abrasiert. Am Ende der Kette hängt auch noch so mancher Betreiber von Onlineshops……….

Und da wäre noch

Kleine Notiz am Rande: Zurzeit sind so knappe 1.000 Kryptowährungen unterwegs. Undurchsichtiger kann kein Markt sein. Fürs Mining der Kryptos wird eine Wahnsinnsenergie verschleudert, in meinen Augen völliger Blödsinn in Zeiten des Klimawandels. Und irgendwer muss das reale Geld irgendwo auf dieser Welt erschuftet haben, was jetzt in Fantasiewährungen gezockt wird. Neben den rein wirtschaftswissenschaftlichen und technischen Knackpunkten, kommt für mich hier noch eine moralische Komponente hinzu. Interessant, dass ausgerechnet die ach so fortschrittlichen Missionare der Kryptos diese Punkte nicht auf der Liste haben? Zu guter Letzt können auch Staaten den Bitcoin & Co schlichtweg verbieten. Vietnam hat es schon gemacht. China reguliert massiv. Die USA werden kaum den Handel verbieten, weil zu viele Banken mitzocken. Aber wie sieht es in der EU aus? Immerhin werden hier gerade die Endverbraucher abgezockt und alle Banken bis hin zur EZB und Bundesbank schlagen Alarm…………

Der Witz bei Bitcoin und dem mittlerweile angebotenen Handel mit Optionsscheinen: Der Mechanismus ist genau derselbe, wie bei der US-Immobilienblase. Die US-Immobilienpreise waren 2007/2008 reine Zockerwerte, künstlich aufgebauscht in Erwartung eines Mehrwerts. Beim Bitcoin ist es genau dasselbe. Und nun handelt man munter mit Optionsscheinen. Genau wie 2007/2008. Man geht also eine Wette auf eine Wette ein. Sportlich.

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