Blog.de soll im Dezember geschlossen werden. Damit sind sehr viele Beiträge, welche die Benutzer dort über die Jahre geschrieben haben, faktisch wertlos. Oder man muss seine Beiträge und Daten von Blog.de via XML-Export in andere Systeme übertragen (Übrigens gibt es hier die Anleitung: http://support.blog.de/). Ich bin einmal gespannt, ob das alle Nutzer schaffen oder überhaupt noch wollen. Damit bewahrheitet sich leider eine Prognose, die ich vor langer Zeit einmal gestellt habe.

Und es zeigt wieder einmal, dass man strategisch nur mit dem eigenen Webauftritt, der eigenen Domain, auf der sicheren Seite steht. Erinnern wir uns einmal an die VZ-Netzwerke. War mal in, war sehr verbreitet und hat dann durch Facebook zunächst jede Menge Benutzer verloren, bis sie geschlossen wurden. Oder solche Sachen wie wer-kennt-wen, geschlossen seit Juni 2014. Dazu kommt es bei einigen Netzen zu Rückgängen der Benutzeraktivität, wie bei Xing. Auch verschiedene Communities zu Hobbythemen oder Spezialthemen sind weg vom Fenster, wenn der Betreiber keine Lust mehr hatte oder sich die Systeme nicht rentierten.

Bei Verkaufsplattformen entscheidet die Reichweite, deren Auffindbarkeit in Google oder deren Akzeptanz in breiten Nutzerkreisen. Das Gleiche gilt für Preisvergleiche und Auktionsplattformen. Neben dem Platzhirsch ebay (auch nicht immer stabil) gibt es einige kleinere Plattformen. Mindestens genau so viele haben das Handtuch geworfen. Alles, was dort an Kundenwahrnehmung und Markenbildung aufgebaut wurde, ist teilweise verloren.

Das eigene System bevorzugen, andere nutzen

Wie kann man aber die durchaus vorhandene, temporäre Attraktivität solcher Netze nutzen, ohne zu viel Arbeit in wackelige Kandidaten zu investieren? Zunächst einmal muss ein eigener Shop oder ein eigenes Blog oder ein eigenes Content Management System her. Auf einer eigenen Domain. Das kostet ab 3 Euro im Monat bei den gängigen Providern, wenn man die sparsamsten Lösungen wählt. Man braucht nicht gleich Tausende von Euros für maßgeschneiderte Systeme, sondern kann sich erst einmal prima mit den sowieso vorhandenen Funktionen und Designs der verschiedenen Programmpakete beschäftigen. Ein „kleines“ WordPress beispielsweise wird mit ein paar Zusatzfunktionen zu einem vollwertigen CMS oder auch zu einem eigenen, brauchbaren Shop. Kann man ja später ausbauen oder – wenn genügend Umsätze eingetreten sind – mit einem netten Datenbankexport in richtig große Shopsysteme übernehmen. Außerdem ist man mit den allgemein verfügbaren Programmen völlig unabhängig von den Launen, den Preisen und der Leistungsfähigkeit eines Providers bei Homepagebaukästen oder Mietshops.

Der eigene Webauftritt steht also. Er wird gehegt und gepflegt. Nun kann man die verschiedenen sozialen Netze, Blogsysteme oder auch Auktionsplattformen zur Zuführung von Kunden auf den eigenen Webauftritt nutzen. Dafür schreibt man allgemeine Beiträge, macht sich sympathisch, nimmt vielleicht die nicht ganz so tollen Beschreibungen des Lieferanten für eine Ebay-Auktion und sammelt munter Kontaktdaten und Emailadressen. Alles dient nur dem einen Zweck: den eigenen Auftritt stabil und strategisch aufbauen. Hierfür können sich auch durchaus _gute_ Systeme von Dienstleistern lohnen, die maßgeschneidert einen Funktionsumfang abdecken.

Aber Social Media ist doch das Allheilmittel?

Ich höre hier schon die Fraktion der verschiedenen Social Media Dienstleister lauthals protestieren, wonach beispielsweise Facebook das größte Netz ist, man allgemein den Kunden auf Augenhöhe begegnen muss, jedes Unternehmen volles Engagement und erst recht ein Blog zeigen muss und überhaupt. Das stimmt teilweise. Nur bringt es langfristig und nachhaltig überhaupt nichts, wenn die Plattformen schwächeln oder im schlimmsten Fall wegfallen. Reichlich Arbeit macht es obendrein. Zeit ist Geld…..

Es geht ausschließlich um Wirtschaftlichkeit, Investionssicherheit und nicht um einen netten Plausch oder wohl formulierte Worte. Zumindest sollte es aus der Sicht eines Unternehmens darum gehen, sonst wäre es unrentabel.

Nochmals. Nicht, dass wir uns hier falsch verstehen. Social Media ist wichtig, Businessplattformen, Verkaufsplattformen sind wichtig, Auktionshäuser sind wichtig. Aber nur mit einem eigenen Webauftritt hat man alles im Griff und schützt seine Investition (Arbeit=Investition) vor den Unbillen wechselnder Marktanteile und Änderungen des Benutzerverhaltens. Zunächst muss das Fundament stehen, damit man die Benutzer über verschiedene Wege zuführen und empfangen kann. Und wenn sich für einen Besucher ein Weg schließt – ein System abgeschaltet wird – hat man genügend Alternativen in den dann gerade angesagten, aktuellen Netzen als Kundenbringer.

Da wäre noch etwas

Blogs auf gemeinsamen Plattformen, Communities, Soziale Netze sind nur eingeschränkt bewerbbar. Gooogle Adwords, ein Affiliate-System, die Suchmaschinenoptimierung und auch Email-Marketing klappen eben nur mit einem eigenen Webauftritt. Wer beispielsweise seine einzige Präsenz in Blog.de hatte, konnte diese nicht sinnvoll mit attraktiven Umsatzbringern bewerben. Selbst ein exzellenter Blogbeitrag hängt bei den gängigen Plattformen von deren Auffindbarkeit in einem mehr als überschaubaren Marktsegment ab. Was aber liefert Kunden? Beispielsweise die ganz gezielte Suche nach Produkten und Dienstleistungen. Mit einem eigenen Webauftritt kann man sich in Googles Suchausgabe nach vorne schieben – auf Blog.de war man auf dessen Akzeptanz in Google angewiesen und musste sich thematisch und semantisch auch noch die Aufmerksamkeit mit unterschiedlichen Themen teilen.

Adwords für ein Blog auf Blog.de? Nicht sinnvoll. Ein Affiliate-System für einen Shop einbinden? Geht nicht. Email-Marketing? Hier müsste man zunächst die Emailadressen aus den Kommentaren herausfischen und hätte selbst dann noch nicht das Einverständnis der Besucher für Mailings. Es gibt also noch diverse weitere Restriktionen, welche gegen hohe Investitionen in andere Systeme stehen.

Das Online Controlling sagt mir, wie sich im Nachhinein die Engagements gelohnt haben. Online Marktforschung sagt mir im Voraus, wo sich eine Investition wahrscheinlich lohnt. Dazu gehört die Reichweitenmessung, Marktentwicklung, die Zielgruppe und eben der strategische Ausblick über technische, wirtschaftliche und benutzerseitige Möglichkeiten und Risiken. Letzteres entscheidet über nachhaltig erfolgreiche Engagements.